Rücktritt von drei Olympiasieger

Mic Zemp

Mit Simon Niepmann, Lucas Tramèr und Simon Schürch erklären drei Olympiasieger den Rücktritt vom Spitzen-Rudersport. Die Athleten waren langjährige Dominatoren in verschiedenen Leichtgewichts-Bootsklassen und vermochten nach Europa- und Weltmeistertiteln ihre eindrücklichen Karrieren mit Olympia-Gold im Leichtgewichts Vierer ohne Steuermann an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 zu krönen. Mario Gyr, der vierte Olympiasieger, lässt seinen Entscheid über seine weitere sportliche Zukunft aktuell offen.

Es war der 11. August 2016, Finaltag für den Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro: Simon Niepmann (32), Lucas Tramèr (28), Simon Schürch (26) und Mario Gyr (32) sorgten mit ihrem furiosen Finalrennen und dem Gewinn von Olympia-Gold für die Krönung ihrer sportlichen Karrieren sowie für ein absolutes Highlight für den Schweizer Rudersport, war es doch die erste olympische Goldmedaille in einem Vierer seit 88 Jahren. Der Gewinn der olympischen Goldmedaille war das erklärte Ziel und der Schweizer Vierer beeindruckte mit einem souveränen Auftritt. Das Quartett hatte mit viel Disziplin, Energie, Leidenschaft und ganz harter Trainingsarbeit über Jahre auf eine Olympiamedaille hingearbeitet. Der Olympiasieg war so etwas wie die logische, aber doch nicht selbstverständliche Konsequenz eines langjährigen Aufbaus. Ein Gesamtweltcupsieg, Weltcup-Podestplätze, Europameistertitel, WM-Gold und weitere Medaillen sowie Spitzenplatzierungen an Europa- und Weltmeisterschaften stehen im Palmarès dieser Top-Athleten, nachdem sie sich nach ihrer ersten Olympia-Teilnahme 2012 für eine Fortsetzung der Karrieren entschieden hatten.

Mit den Rücktritten von Simon Niepmann (Seeclub Zürich/Basler Ruderclub), Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz/Basler Ruderclub) und Simon Schürch (Seeclub Sursee) geht im Schweizer Rudersport auch ein Kapitel Rudergeschichte zu Ende. Simon Niepmann hat mittlerweile sein Sport- und Geografiestudium erfolgreich abgeschlossen und sucht seine Herausforderungen künftig in der Arbeitswelt. «Meine Ruderkarriere war geprägt vom Motto ‚ganz oder gar nicht‘. Dies wäre auch mein Anspruch für einen Wiedereinstieg, doch ich habe im letzten Jahr gemerkt, dass meine Bereitschaft, alles dem Rudersport unterzuordnen nicht mehr dieselbe ist, wie dies in den vergangenen Jahren der Fall war. Zudem fehlt mir als klassisches Leichtgewicht nach der Anpassung im Olympiaprogramm jene Bootskategorie, in welcher ich mir die grössten Chancen auf eine weitere Olympiateilnahme ausrechnen würde.» Lucas Tramèr, Medizinstudent, absolviert aktuell ein Praktikumsjahr in verschiedenen Spitälern und wird sich danach dem Abschluss seines Medizinstudiums zuwenden. Bezugnehmend auf seine anhaltenden Kniebeschwerden resümiert Lucas Tramèr: «Ich habe im Spitzensport alles erreicht, was ich mir erträumt habe. Es gibt aktuell keine sportlichen Ziele mehr, um meinem Körper und meinem Umfeld das intensive Trainingspensum nochmals aufzuerlegen. Es war mir eine Ehre, die Schweiz an internationalen Wettkämpfen zu vertreten.» Simon Schürch absolviert sein Studium der Wirtschaftswissenschaften und wird demnächst die erforderlichen Praktika beginnen. «Ich habe mir immer hohe Ziele gesetzt und diese an den erzielten Ergebnissen gemessen. Mit dem Erreichten an Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen habe ich das Maximum erreicht, das es im Rudersport zu gewinnen gibt. Das erfüllt mich mit grosser Befriedigung und Dankbarkeit. Ich spüre aber auch, dass ich mich neuen Aufgaben zuwenden will.» Noch offen ist der Entscheid betreffend Zukunftsplanung bei Mario Gyr (See-Club Luzern). Er wird seinen Entscheid unter Einbezug seiner beruflichen Situation und seinen sportlichen Ambitionen zu einem späteren Zeitpunkt fällen.

Goldene Olympiakampagne mit dem leichten Vierer
Für den Schweizerischen Ruderverband (SRV) war es ein Glücksfall, über so viele Jahre auf Simon Niepmann, Lucas Tramèr und Simon Schürch zählen zu dürfen. Sie haben im Leichtgewichtsrudern neue Massstäbe gesetzt. Nach den Olympischen Spielen in London und einem fünften Rang, setzten sich die Athleten den Gewinn einer olympischen Medaille zum Ziel und ordneten diesem Ziel alles unter. Auch die vorübergehende Kleinbootphase in den Jahren 2013 und 2014 war ein Schlüsselfaktor, um 2015 und 2016 sowohl an Europa- und Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spielen in Rio richtig durchzustarten. Das Quartett behauptete sich intern gegen starke Konkurrenz und vermochte auf internationalem Parkett zu beeindrucken, schlossen sie doch in den Jahren 2015 und 2016 alle Regatten auf mindestens dem zweiten Platz ab. «Mit Simon Niepmann, Lucas Tramèr und Simon Schürch verlassen drei herausragende Persönlichkeiten die Schweizer Ruder-Nationalmannschaft und die internationale Wettkampfbühne. Sie haben versucht, herauszufinden, wie weit sie es bringen können, wenn sie dem Spitzensport oberste Priorität im Leben einordnen und haben dadurch neue Massstäbe gesetzt. Wir danken allen drei Athleten für ihr vorbildliches Engagement für den Rudersport, den Schweizerischen Ruderverband und den Schweizer Sport generell. Sie haben dem Begriff der sportlichen Exzellenz ein Gesicht gegeben», bilanziert Verbandsdirektor Christian Stofer.

Kommunikation – Schweizerischer Ruderverband, Sarnen, 30. Oktober 2017

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